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Fernwandern in Norwegen

Ob eine Woche, mehrere Monate oder open end – Fernwandern in Norwegen ist für viele ein Traum, der allerdings etwas Vorwissen und Planung erfordert. In diesem Beitrag erzählt Markenbotschafter Simon Michalowicz von seinen Fernwander-Erfahrungen in Norwegen: Wann ist die beste Zeit? Was muss ich in Norwegen beachten? Was gehört in den Rucksack?

Simons große Leidenschaft ist die Langtur in Norwegen, er ist zwei Mal Norge på langs vom Kap Lindesnes bis zum Nordkapp gewandert, eine Wanderung von jeweils über weit mehr als 2500 km Länge. Zu jeder Jahreszeit ist Simon im norwegischen Fjell unterwegs und hat dort schon viele, viele Touren unternommen, egal ob im Winter mit der Pulka im Schlepptau oder im Sommer bzw. Herbst mit dem Trekkingrucksack auf dem Rücken.

Ein Paradies fürs Draußen-unterwegs-sein

„Mit dem Trekkingrucksack auf dem Rücken durch die Weite des norwegischen Fjells streifen, Ruhe und Stille genießen, dem Wetter trotzen und komplette innere Ruhe erleben – das alles erwartet einen, wenn man sich zu Fuß aufmacht, um in Norwegen eine Fernwanderung zu machen.“ - Simon

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Das Besondere am Fernwandern und insbesondere am Draußen sein in Norwegen ist vor allem, dass es so tief in der Gesellschaft verankert ist wie kaum irgendwo sonst auf der Welt. Überall dreht es sich ums Friluftsliv, ums auf Tur gehen, und darum was man am Wochenende oder nach Feierabend draußen macht. Beinahe jede Familie hat eine Ferienhütte in den Bergen oder am Meer. Viele Norweger gehen Angeln oder Jagen und schon als Kind geht es im Kindergarten bei Wind und Wetter nach draußen.

Zu Fuß durch die Fjells und Wälder Norwegens zu streifen gibt einem eine Freiheit, die man aus Mitteleuropa kaum kennt. Unendlich viele markierte Wanderwege und ebenso viele Gelegenheiten einfach drauf loszuwandern, bringen einem dann diese spektakuläre Landschaft näher. Regionen wie Jotunheimen oder Hurrungane bestechen durch ihre Schroffen hohen Berge. In Rondane geht es eher lieblicher mit weiten Trogtälern zu und oberhalb des Polarkreises trifft man in Gebieten wie Øvre Dividalen auf die raue Schönheit des hohen Nordens mit lichten Kiefernwäldern und spektakulären Fjellflächen. Wer einmal vom weißen Sandstrand auf den Lofoten aus auf einen der Aussichtsfelsen wie dem Ryten gestiegen ist, die spektakuläre Aussicht über die Kvalvika-Bucht genießt und sich fragt, wie unfassbar schön das hier ist, der wird dem Charme Norwegens schnell endgültig erliegen.

Tipps zur Tourenplanung

Bei der Planung und Auswahl der Tour schaut man am besten beim Turistforeningen dnt.no oder auf der Website ut.no vorbei. Dort findet man für die anstehende Tour Wanderwege sowie Infos zu den Hütten und kann sich GPS-Koordinaten zu diesen kostenlos herunterladen. Für Anfänger sind gut beschriebene Gebiete bzw. Nationalparks wie die Hardangervidda, das Dovrefjell oder Rondane ein guter Einstieg.

Gerade die Durchquerung der Hardangervidda von Haukeliseter nach Finse ist ein absoluter Klassiker und bietet so ziemlich alles, was das Wandern im norwegischen Fjell ausmacht. Man erlebt epische Aussichten, erfährt die Ruhe und Weite des Fjells und von schmalen Wanderpfaden bis hin zu kleinen Kraxeleien ist bei den Wegen alles dabei. Dank der Hütten ist man dort auch bei schlechtem Wetter gut unterwegs. Gerade bei den Touren im Süden Norwegens kann man beim Proviant Unterstützung durch die Hütten erfahren. Denn dort kann man stets Lebensmittel aufstocken, sodass der Rucksack während der Tour nicht zu schwer sein muss. Ist man ohne Zelt unterwegs, kann man hier auch super Touren von Hütte zu Hütte planen.

Wer schon mehr Erfahrung gesammelt hat, der sollte seinen Blick eher gegen Nord-Norwegen richten. Weglose Wandergebiete wie das Børgefjell bieten da echtes Wildnis-Feeling! Es gibt dort keine markierten Wanderwege oder offenen Hütten. Dort ist man auf sich selbst gestellt und kann in großer Ruhe durchs Fjell streifen. Gerade wenn es um längere Fernwanderungen im Norden geht, dann ist der Nordkalottleden wohl die erste Wahl! Über 800 Kilometer folgt diese Fernwanderung den Grenzen zwischen Norwegen, Finnland und Schweden. Einsame Fjells ohne viele Möglichkeiten der Nachversorgung machen diese Tour zu einer spannenden Herausforderung über viele Wochen.

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Hervorragende Infrastruktur und viel raue Natur

Der norwegische Wanderverband DNT (Den Norsk Turistforeningen) bietet bereits seit 150 Jahren Wanderwege und Hütten zur Übernachtung an, landesweit sind es mittlerweile ca. 550 Hütten. Diese stehen nicht nur den rund 300.000 Mitgliedern zur Verfügung, sondern jedem, der dort übernachten möchte gegen eine entsprechende Gebühr.

Unendlich viele Wanderwege, stets mit dem roten „T“ für Turistforeningen markiert, durchziehen alle Gegenden des Landes, wobei man oft nicht unbedingt von Wegen im eigentlichen Sinne sprechen kann, sondern eher von markierten Stiegen, die gerne mal über Stock und Stein oder Geröllfelder führen. Da ist der Weg dann einfach die Strecke zwischen zwei Markierungen und man schaut selbst, wie man diese am besten zurücklegt. Das macht es mitunter auch so herausfordernd, denn Wegebau wie man es aus den Alpen kennt wird kaum betrieben. Brücken über reißende Bäche sind oft nur für den Sommer aufgebaut kommen daher oft als sehr gewagte Konstruktionen die jedem TÜV-Prüfer die Schweißperlen auf die Stirn treiben würden. Somit sind auch Kilometerangaben mit Vorsicht zu genießen. Tipp: Lieber sollte man sich an den Stundenangaben des DNT orientieren.

Zu welcher Jahreszeit ziehe ich los?

Bei der Jahreszeit sollte man sich im Sommerhalbjahr vor allem auf die Zeit nach Mitte bzw. Ende Juni bis in den Herbst hinein konzentrieren. Denn bis in den Juli hinein sind teilweise noch große Schneefelder zu finden und auch manche Sommerbrücken werden erst gegen Ende Juni aufgebaut. Meine bevorzugte Wanderzeit ist gegen Anfang September. Die Tage werde dann zwar schon wieder kürzer und die Temperaturen fallen auch schon mal unter die 0°C Grenze, aber dafür verwandelt sich das Fjell dann in eine Art Indian-Summer Berglandschaft, die einen mit ihrer Farbgewalt staunend in der Landschaft verweilen lässt! Für mich die absolut beste Zeit, um im Norden zu Fuß und mit dem Rucksack auf dem Rücken unterwegs zu sein!

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit…

Bei der Ausrüstung habe ich immer im Kopf, dass ich mich unterwegs im Fjell zu jeder Zeit in jeder Art von Wetter wiederfinden kann. Neuschnee am Morgen? Waagerechter Regen nach dem Frühstück? Strahlender Sonnenschein am Nachmittag? Ein ganz normaler Tag im Fjell! Das heißt natürlich, dass man darauf achten sollte, dass die Ausrüstung entsprechend ausgewählt wird. Generell empfiehlt es sich etwas mehr Sicherheitsmarge bei den Temperaturen mit einzuplanen. Sprich, möchte man Zelten, dann ist ein Schlafsack empfehlenswert, der einen auch bei leichten Minustemperaturen noch warmhält. Für die Pausen habe ich immer eine dickere, aber sehr leichte Daunenjacke dabei, die ich dann schnell überziehe (Achtung: Sie sollte groß genug sein, um über die Tagesklamotten zu passen). Die Jacke ist dann auch am Abend praktisch, wenn man vor dem Zelt sitzt und den Sonnenuntergang beim Kochen genießt oder später dann versucht den strahlenden Sternenhimmel oder gar Polarlichter zu beobachten.

Merinowolle: Bei Wäsche und Socken, sowie Shirts hat sich ein hoher Anteil von Merinowolle beim Material bewährt. Die natürlichen Eigenschaften der Wolle sind gerade beim Fernwandern von Vorteil. Zum einen nimmt Merino nicht so leicht Gerüche an, sprich es stinkt nicht so schnell wie Synthetik-Material und zum anderen puffert es Feuchtigkeit und Wärme, so dass man unterwegs kein unangenehm feuchtes Gefühl auf der Haut hat. Ich hatte das Bergans Oslo Wool Tee dabei, welches gleichzeitig sehr weich ist.

Schlafsack und Zelt: Beim Schlafsack und Zelt sollte man beachten, dass in Skandinavien schnell schlechtes Wetter mit viel Wind und eventuell Schnee herrscht. Daher würde ich stets darauf achten, dass das Zelt stabil genug und nicht zu luftig gewählt ist. Sprich die Mesh-Flächen und Lüfter sollten möglichst abdeckbar sein und die Seiten des Außenzeltes sollten möglichst bis auf den Boden gezogen sein, ansonsten kann es bei starkem Wind ziemlich zugig und ungemütlich im Zelt werden. Fast alle Zelt-Hersteller aus Skandinavien konstruieren zudem ihre Zelte so, dass das Innenzelt ins Außenzelt eingehängt ist. So gelingt der Aufbau bei schlechtem Wetter auch schnell und unkompliziert und man spart wertvolle Zeit beim Aufbau. Im Bergans Sortiment hat die Trollhetta Serie Zelte mit geringem Gewicht, Stabilität und genügend Platz!

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Beim Schlafsack bieten sich aufgrund des besseren Verhältnisses von Gewicht und Packvolumen zur Wärmeleistung vor allem Daunenschlafsäcke an. Dabei sollte man beachten, dass diese gegenüber Feuchtigkeit empfindlicher sind als Schlafsäcke aus Kunstfaser. Deshalb immer Acht geben, dass der Schlafsack nicht zu feucht wird, indem man ihn wasserdicht einpackt. Ich achte auch darauf, genug Reserve bei der Wärmeleistung, sprich beim Füllgewicht, einplanen. Mit einem Daunenschlafsack der einen Komfortbereich von ca. -5 bis -10 Grad hat ist man dabei fast immer gut gebettet. Sollte der Schlafsack doch einmal zu feucht werden, kann man in Norwegen einfach die nächste Nacht auf der Hütte zu verbringen und schon ist der Schlafsack wieder trocken und bereit für die nächste Nacht.

Schuhe und Bekleidung: Bei Schuhen und Bekleidung lohnt es sich immer darauf zu achten, dass man gut vor der Witterung geschützt ist - also ist hier Wasserfestigkeit Trumpf! Stabile Schuhe mit wasserdichter Membran und auch Regenhose sowie robuste Regenjacke gehören auf jeden Fall in den Rucksack. Da die Wege in Norwegen oft nur die Strecke zwischen zwei Steinmarkierungen sind, würde ich auch nicht auf einen Poncho setzen, denn damit sieht man oft nicht wirklich gut, wohin man tritt. Und wenn der Wind mal richtig loslegt, bieten diese Regencapes auch noch eine ziemlich große Angriffsfläche, was im Fjell bei Sturm mitunter recht unangenehm werden kann. Meine Ausstattung bei der letzten Fernwanderung war: Rabot V2 3L Jacket und Rabot Hybrid Pants.

Proviant und andere Leckereien

Das Thema Proviant ist besonders spannend in der Planung, wenn man kaum/keine Möglichkeiten hat, etwas nachzukaufen. Grundsätzlich sollte man sich überlegen, was man unterwegs gerne isst, was ein gutes Verhältnis von Gewicht zu Kalorien hat und was man unterwegs gegebenenfalls auch einfach zubereiten kann, so dass man nicht zu viel Brennstoff mittragen muss. Als Faustregel empfehle ich in etwa je nach Hunger und Grundumsatz etwa 500 bis 600 Gramm Nahrungsmittel pro Tag, was etwa 2500 bis 3000 kcal bedeutet. Zum Frühstück hat sich für mich Müsli mit Milchpulver oder Porridge bewährt, das hält lange vor und gibt Energie. Hat man Glück, findet man unterwegs auch noch ein paar Blau-, Him- Heidel- oder Moltebeeren und kann damit sein Frühstück aufpeppen. Über den Tag gibt es Schokoriegel, Nüsse oder Kekse, eventuell auch Beef Jerky oder Käse. Für mich funktionieren auch salzige Cracker oder ähnliches sehr gut, denn nach einiger Zeit auf Tour spüre ich oft einen Schokoladen-Overload, der Appetit auf Deftiges steigt. Zu Mittag auch gerne mal eine warme Suppe und ein Heißgetränk, als Energieschub.

Mein Tipp: Zu jeder Wanderstunde eine Kleinigkeit essen, dann kommt man gut durch den Tag und auch den letzten Anstieg des Tages noch gut hoch. Nichts ist so gefährlich im Fell, insbesondere bei schlechtem oder sehr schlechtem Wetter, wie keine Kraft mehr zu haben. Wenig Energie heißt dann auch weniger Wärme, man kühlt schneller aus und wenn man dann in einen Hungerast hineinläuft, kann es auch richtig gefährlich werden, da man dann mitunter Gefahren nicht mehr richtig einschätzen kann oder auch die Orientierung verliert. Also immer gut essen!

Und am Abend freut man sich dann auf eine leckere warme Mahlzeit. Habe ich mein Zelt aufgeschlagen und mich eingerichtet, schaue ich in meinen Essensvorratsbeutel und gönne mir erstmal eine Schokolade oder andere Leckerei - für mich einer der schönsten Momente des Tages. Das Zelt steht, man hat sich umgezogen und genießt die Ruhe und Aussicht aus dem Zelt hinaus vom Schlafsack aus. Dazu einen frischen Kaffee, Kakao, einen Tee oder den in Norwegen sehr beliebten Solbærtoddy, einen Punsch aus schwarzer Johannisbeere. Im Übrigen gibt es mit Walters Mandler in Norwegen auch die – für mich - beste Schokolade der Welt!

Und danach gibt es oft ein praktisches Fertigessen, bei dem man einfach nur heißes Wasser in die Packung gibt, ein paar Minuten wartet und schon ist das Abendessen fertig. Entgegen der langläufigen Meinung, dass diese Gerichte nicht wirklich schmackhaft sind, kann ich insbesondere die Gerichte einer norwegischen Firma ohne jegliche Einschränkung empfehlen! Die orangenen Packungen sieht man in jedem Outdoor-Laden in Norwegen und wirklich jede Sorte ist lecker!

Aber zurück zur Nachversorgung unterwegs. Die ist in Südnorwegen bis auf die Höhe von Trondheim im Grunde recht einfach und problemlos, denn fast alle Hütten des DNT haben hier einen kleinen Vorratsraum, bei dem man sich (natürlich gegen Bezahlung) mit allem versorgen kann, was man unterwegs so braucht. Mal ist mehr da, mal weniger, manchmal hat man keine riesige Auswahl, aber irgendwas ist immer da und man kann damit seine Vorräte wieder aufstocken.

Ab der Höhe von Trondheim ist dann aber eine gute Planung vonnöten, denn ab jetzt gibt es auf den Hütten keine Vorräte mehr, die Hütten werden einfach nicht mehr so oft besucht, als dass sich der Aufwand lohnen würde, denn die Vorräte werden oft per Hubschrauber oder im Winter per Scooter auf die Hütten geschafft. Ein nicht unerheblicher Aufwand, der auch ziemlich kostspielig ist, von daher heißt es ab hier dann mehr einpacken und mitnehmen und schauen, wo man zwischendurch eine kleine Ortschaft mit einem kleinen Laden findet.

Ansonsten empfiehlt es sich vor der Tour zumindest einmal eine detaillierte Liste mit der Ausrüstung zu machen, die man mitnehmen möchte. Am besten wiegt man auch alles einmal und trägt das alles mit in die Liste ein, bewährt hat sich da ein praktische Excel-Tabelle, so dass man sich die Gewichte automatisch addieren lassen und auch Änderungen leicht vornehmen kann. So findet man rasch heraus, was zu schwer oder eventuell auch über ist. Überlegt euch gut, ob ihr wirklich alles braucht, was ihr euch zurechtlegt. Oft können verschiedene Kleidungsstücke auch geschickt kombiniert werden, so dass es oft ausreicht, sich wirklich auf das wesentliche zu konzentrieren. Mit einer leichten, stabilen und komfortablen Ausrüstung sollte man ohne Verpflegung und Brennstoff bei um bis unter 12 kg landen. Dann ist man bis in den skandinavischen Herbst hinein sicher unterwegs! Im Sommer bei sehr gutem Wetter kann man aber auch noch deutlich darunter bleiben!

Das wichtigste auf Tour ist jedoch die Freude am Unterwegssein - sprich die Turglede! Und die wird man so schnell wieder vermissen… wenn man nach der Tour Abschied vom Fjell nehmen muss! Hier gibt es mehr Beiträge und Erfahrungsberichte von Simon: https://simonpatur.de

*Ein Beitrag von Markenbotschafter Simon Michalowicz in Kooperation mit Bergans of Norway

Impressum

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  • Vertretungsberechtigte Geschäftsführerin: Verena Stüwe
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